Artifacts of the future

A brave new world is beckoning so the olden world must die.
(New Model Army – The Charge, 1987)

In einigen Jahrzehnten wird man beim Abriss des alten Hauses aus den frühen Zwanzigern historische Wandfresken aus dem Analog-Zeitalter von Berlin finden. Die Abrissdronen halten automatisch inne als der Retroplace-Algorithmus getriggert wird. Nach Sperrung der Neuconstructionsarea, werden VR-Archäologen versuchen mittels neuronal-gestützter Farb- und Handschwungerkennung die Urheberschaft des Werkes zu ermitteln.

Das Unterfangen muss jedoch bald als gescheitert erklärt werden: Zwar lassen sich durch die Pigmentspuren Herkunft, Fabrikat sowie wahrscheinlicher Verkaufsort der Farben ermitteln und auch der Erstellungszeitraum lässt sich dank der eingeschlossenen Feinstaubreste auf Tag und Stunde genau bestimmen. Das Schöpferwesen wird jedoch unbekannt bleiben. Die historischen Datenbanken der Berliner Polizeiarchive wurden seinerzeit auf propietären Datenträgern gespeichert, die mittlerweile dem Bitrot zu Opfer gefallen sind. Hier offenbart sich wieder die Tragödie der modernen VR-Archäologie, die es zwar erlaubt den historischen Bestand an Verkehrszeichen und Fußgängerüberwegen über die Dekaden und Geographien mit hoher Präzision zu mappen, jedoch wenig über die Menschen sagen kann, welche diese einst erschufen.

Schließlich behilft man sich der Aproximation halber mit einem Sample modellierter Avatare, die auf Basis überlieferter Datenbeständen aus sog. „Social Media Profile“ synthetisch erzeugt werden. DNA Sequenzen, die man aus den Grabungsstätten der Club-Ruinen Berlins konservieren konnte, erlauben die erzeugten Brain-Profiles mit einer Variation aus Wet-Suits zu kreuzen. Ein iterativer Auswahlprozess führt später zu „Item HGH%667%“, welches die Wandfreske mit hoher Genauigkeit und exzellenter Krassheit reproduzieren kann.

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